Bildungsangebot

Berufspraktikum

Fachlehrerin: Merkli Monika

2 wöchiges Berufspraktikum – was habe ich da alles zu tun!

Während zwei Wochen sind die SchülerInnen einzeln in einem kleineren Betrieb ganztags beschäftigt, den sie mit Hilfe selber ausgesucht haben und in dem sie vom Mentor besucht werden.

Iris Urfer. Wie in jedem Jahr sind unsere 9. Klässerinnen und 9. Klässler nach den Frühlingsferien während zweier Wochen im Berufspraktikum gewesen. Sie mussten sich zum ersten Mal in der Berufswelt bewähren. Und das ist ihnen auch gelungen! Dabei haben die Schülerinnen und Schüler verschiedenartigste Erfahrungen gemacht. So war für viele das lange Stehen zu Beginn eine Herausforderung. Manche entwickelten Verständnis für die Menschen in den speziellen Berufen. Zum Beispiel hat Tanja die Erfahrung gemacht, was es alles braucht, damit der Gast gut bedient wird und sie hat sich vorgenommen, nie zu reklamieren, wenn es mal etwas länger dauern wird, bis der Kellner in einem Restaurant Zeit hat für sie. Nico konnte erfahren, wie es dazu kommt, dass viele Käser schweigsam sind mit ihren besonderen Arbeitszeiten, die den sozialen Umgang sehr einschränken. Ja – so könnten noch mehr Beispiele aufgeführt werden. Natürlich haben viele die Gelegenheit genutzt und berufliche Perspektiven getestet. Insgesamt kann einfach wieder mal festgestellt werden, wie wertvoll so eine Erfahrung ist in einem Alter, wo die meisten sich damit beschäftigen, wie es weitergehen soll, welche Berufe wohl in Frage kommen könnten, welche schulischen und anderen Voraussetzungen es dafür braucht. Aber lassen wir doch noch einige Schüler und Schülerinnen selber zu Wort kommen:

Schülerberichte

Benjamin. In meinem Berufspraktikum hatte an meinem letzten Arbeitstag ein besonderes Erlebnis. In diesen zwei Wochen arbeitete ich Tag für Tag mit einer Motorsäge und es fiel mir nicht schwer sie zu bedienen. Ich war einmal während meiner Arbeit nicht bei der Sache, und berührte mit laufender Motorsäge mein linkes Bein. Ich hätte mein Bein verlieren können, hätte ich nicht eine Schnittschutzhose getragen. Eine Schnittschutzhose ist eine schwere, gepolsterte Hose für Waldarbeiter. Sie hat an der Vorderseite des Hosenbeins vom Knöchel bis zum Oberschenkel unter einem dünnen Stoff lose Fäden eingelegt. Wenn also eine Motorsäge die Hose berührt wickeln sich diese Fäden um ihre Kette, die die Säge sofort, in Bruchteilen einer Sekunde, zum Stillstand bringen. Nach diesem Vorfall weiss ich jetzt, dass so eine Hose etwas taugt!

Flora. Als ich am Montagmorgen in Zürich ankam, regnete es in Strömen und es dauerte kaum fünf Minuten und ich hatte mich zum ersten Mal verlaufen. Glücklicherweise hatte ich damit gerechnet, dass ich den Weg zum Theater Neumarkt, das grösste Kleintheater in Zürich, nicht auf Anhieb finden würde und hatte mir genügend Zeit eingeplant. Als ich dann noch rechtzeitig ankam, konnte ich gleich mithelfen die Bühne und das Bühnenbild für ein Theaterstück, das in zwei Wochen die Premiere haben würde, zu der ich aufgrund meiner Praktikumstelle gleich noch eine Freikarte bekam, aufzubauen. Auch beim Requisitenbau konnte ich mithelfen: Sachen bemalen, zusammenbauen, zurechtschneiden usw. Am liebsten aber half ich bei den Theaterproben mit. Es waren zwei schöne, interessante Wochen, die ruhig noch etwas länger hätten sein dürfen.

Nico. Ich absolvierte mein Berufspraktikum in der Dorfkäserei in Aarwangen. Die Praktikumzeit war für mich interessant und schön, aber auch anstrengend. Meine Arbeiten wie Jogurt, Milch, Quark usw. abzufüllen, Käse abzuschmieren und die Milch anzunehmen, machte ich meistens gern.
Auch die Menschen, mit welchen ich arbeitete, waren nett, wenn auch ein bisschen wortkarg. Das Reden war sowieso ein bisschen ein Problem: In der Käserei herrscht von all den Maschinen ein grosser Lärm. In den ersten Tagen fand ich es deshalb sehr schwierig, die Anweisungen der Käser zu verstehen. Weil die Käser nicht viel sprachen, wusste ich auch nicht, ob sie mit meiner Arbeit zufrieden waren oder nicht.
Das zweiwöchige Praktikum war für mich eine sehr gute Erfahrung. Zu sehen, dass der Körper es aushält, um halb vier Uhr aufzustehen und acht oder mehr Stunden am Tag zu arbeiten, das war eine wichtige Erkenntnis. Aber auch in Sachen Milchverarbeitung konnte ich einiges lernen: Dass Quark und Käse aus den zwei gleichen Grundstoffen (Milch und Milchsäurebakterien) bestehen, dass man aus Sirte (Flüssigkeit von der Käseherstellung) Butter herstellen kann oder dass die Löcher im Emmentaler durch Propionsäurebakterien entstehen, all das wusste ich vor dem Praktikum nicht. Die zwei Wochen waren also in jeder Hinsicht eine sehr lehrreiche Zeit.

Hannah. Ich war im Kindergarten in Aarwangen, der von zwei Frauen betreut wird. Mein Gedanke am Sonntagabend vor dem Praktikum war, dass ich es mir irgendwie einfach gemacht habe, ich werde dort mit den Kindern spielen Znüni essen und ihnen helfen. Als ich dann am Montagmorgen ankam, begrüsste mich Ursula sehr freundlich und sagte zu mir: „Du musst dich auf etwas gefasst machen!" Ich machte mir keine grossen Gedanken darüber. Als die Kinder ankamen, haben sie zuerst etwa eine halbe Stunde nicht mit mir geredet. Danach wurden sie immer frecher und sehr anstrengend. Man musste ihnen die Sachen immer etwa drei Mal sagen. Nach dem Nachmittagsunterricht kam ich ganz kaputt und müde nachhause. Ich dachte, ich schaffe es nicht zwei Wochen durchzuhalten. Aber am zweiten Tag habe ich ihnen gezeigt, wer der Boss ist, und ich durfte danach zwei wunderschöne Wochen verbringen. Am liebsten wäre ich sogar noch länger geblieben!

Tanja. Mein Berufspraktikum in der Pizzeria Pinocchio von Langenthal war für mich einmal etwas anderes und gefiel mir sehr. Zuerst wollte ich in der Küche arbeiten, doch dann entschied ich mich doch für den Service, denn dort war meine Hilfe nötiger. Am Abend waren am meisten Gäste in der Pizzeria und der Stress war dann demzufolge am grössten. Schon von Anfangs an musste ich lernen wie man richtig auftischt und wieder abräumt, das Ganze so schnell es ging. Mann musste die bestellten Gerichte den richtigen Tischen bringen, schauen welche Gäste schon fertig gegessen hatten und dort abräumen. Das Schwierige dabei war, das viele Geschirr zu tragen ohne dass es in Scherben endete. Sobald man das Geschirr zum Spülen gebracht hatte, musste man schauen, dass dort wo die Gäste gegangen waren gleich wieder sauber gemacht und aufgedeckt wurde. Denn wenn die neuen Gäste sich an den schmutzigen Tisch setzen, ist das mit dem Auftischen und Putzen nicht mehr so einfach. Die Getränke müssen ebenfalls vom Service gemacht werden. Das Schwierige dabei war, dass zu jedem Getränk und zu jeder Weinsorte ein anderes Glas bestimmt war. Doch bis zuletzt konnte ich auch zu fast jedem Getränk das richtige Glas zuordnen. Bei den Weinen allerdings blieb es schwierig, denn zu jedem Wein gehörte auch ein spezielles Glas.

Syrian. Ich war bei der Firma eWin in Rupperswil, die Alternativheizungen baut. In meinem Praktikum hatte ich Verschiedenes zu tun: Ich half im Büro und begleitete meinen Vater zu seinen Kunden. In der zweiten Woche half ich noch am Bau.

Meret. Mein Berufspraktikum absolvierte ich in der Rudolf Steiner Spielgruppe in Zofingen. Ich fand es interessant, die Kinder mit ihren verschiedenen Verhaltensweisen zu beobachten. Dazu hatte ich oft Gelegenheit, denn während des Freispiels war ich oft mit kleineren Arbeiten wie Zeichnungsmappen herstellen oder Muttertagsgeschenke einpacken beschäftigt. Nach dem Freispiel fand jeweils der Reigen statt, anschliessend wurde das Znüni genossen. Nach dem Znüni wurde ein Märchen als einfaches Puppentheater aufgeführt, bevor die Kinder in den Garten spielen gingen. Im Garten wurde besonders gerne im grossen Sandkasten gespielt oder es wurde geklettert und verstecken gespielt. Nach der ersten Praktikumswoche wurden die Kinder mutiger gegenüber mir, sie bezogen mich in ihre Spiele ein und sie schenkten mir Blumen oder Äste, welche ich mit nach Hause nehmen sollte. Mir hat es in der Spielgruppe gut gefallen, ich habe viele aufschlussreiche Dinge gelernt.

Vincent. In meinem zweiwöchigen Praktikum bei einem Landschaftsgärtner musste ich am letzten Tag bei einem Kunden den Rasen mähen. Das ist ja kein Problem für mich, dachte ich. Der Mitarbeiter sagte mir aber, ich dürfe nur in eine Richtung fahren, das wolle der Kunde so. Der Rasenmäher hatte aber nur Vorderantrieb und war ziemlich schwer. So musste ich den schweren Rasenmäher immer wieder zurückziehen, was ziemlich anstrengend war.

Thea-Luisa. Mein Berufspraktikum habe ich im Restaurant Chrämerhuus in Langenthal gemacht. Unter anderem arbeitete ich dort mit diesen grossen Küchenmessern (Sie wissen bestimmt, welche ich meine)! Mit diesen Dingern zu arbeiten, hat mir zwar grossen Spass gemacht, aber ich war doch etwas unsicher – mindestens am Anfang. Dann wurde mir gesagt, ich solle nur keine Angst haben. Die Pflaster wären gleich dort drüben!!!!! Wider Erwarten schaffte ich zwei Wochen ohne ernsthafte Verletzungen.

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